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Schrittmotor
Raumenergie-Förder-Gesellschaft
 

Schrittmotor als Generator

Von Steffen Finger und Carl R. Jachulke
Raumenergie-Fördergesellschaft
Veröffentlicht am 04.10.2008


Inhalt:

1. Zielsetzung
2. Versuchsaufbau
3. Versuchsdurchführung
4. Auswertung
5. Anhang
6. Quellen
7. Download des Artikels


1. Zielsetzung:
Es wird von verschiedenen Quellen im Internet (1) behauptet das ein Schrittmotor (Steppermotor), als Generator betrieben ab, einer gewissen Drehzahl einen „Anti-Lenz“ Effekt zeigen würde.
Begriffsdefinition Lenz`sche Regel:
Nach der Lenz`schen Regel wird durch eine Änderung des magnetischen Flusses durch eine Leiterschleife eine Spannung induziert, so dass der dadurch fließende Strom ein Magnetfeld erzeugt, welches der Änderung des magnetischen Flusses entgegenwirkt. Das kann auch Kraftwirkungen (Lorentz-Kraft) zur Folge haben.
Wir wollen eine genaue Leistungsaufnahme versus Leistungsabgabe aufzeichnen um eine qualitative Aussage über diese Hypothese machen zu können.

2. Versuchsaufbau:
Um dem etwaigen Effekt auf den Grund zu gehen wurde ein Schrittmotor (Sanyo Type 103-820-2) von einem Servomotor und der dazugehörigen Parker Hannifin Antriebssteuerung betrieben, siehe Abb.1. Der Antriebsverstärker ermöglicht eine genaue Drehzahleinstellung und eine computergestützte Aufnahme von Antriebsspannung und Antriebsstrom um die benötigte Leistungsaufnahme des Servomotors auszurechnen.

Abbildung 1: mechanischer Antriebsstrang

Die erzeugten Wechselspannungen der beiden Stränge des Schrittmotors wurden durch Gleichrichter (1N4007 Dioden) in eine Gleichspannung umgeformt, mit zwei Kondensatoren (470µF) geglättet und dann parallel geschaltet. Die so gewonnene Ausgangsspannung wurde mit verschiedenen Widerstandswerten belastet um die Leistungsabgabe bei verschiedenen Drehzahlen in einer Kurvenschar veranschaulichen zu können. Als Last wurde mehrere Drahtwiderstände zu je 10 Ohm verwendet. Spannung und Strom der Ausgangsleistung wurden mit zwei Digitalmultimetern aufgenommen.

Abbildung 2: Messung der elektrischen Ausgangsleistung

 

So sah der gesamte Versuchsaufbau aus:

Abbildung 3: Gesamter Versuchsaufbau

 

3. Versuchsdurchführung:
Die Drehzahl wurde in 500 1/min Schritten bis 3500 Umdrehungen pro Minute aufgenommen. Es wurden für die Auswertung die Leistungsaufnahme des Servomotors, sowie die elektrische Leistungsabgabe an die Lastwiderstände von 5, 10, 20, 30, 40 Ohm gemessen.
Als erstes wurde eine Nullmessung ohne Belastung durch die Widerstände und den Schrittmotor durchgeführt. Also es ist der reine Servomotor selbst gemessen worden. Bei der zweiten Messung war nur der Schrittmotor angeschlossen ohne Belastungswiderstände. Durch diese Messung konnten die Eigenverluste des Schrittmotor, nur um ihn mechanisch zu drehen, festgestellt werden.

Abbildung 4: Nullmessung mit und ohne Schrittmotor

Die anfängliche Divergenz von nur 15 Watt bei 500 Umdrehungen pro Minute wächst bis auf 30 Watt bei 3000 Umdrehungen pro Minute an. Bei 3500 Umdrehungen pro Minute verändert sich schlagartig die mechanische „Last“ Schrittmotor. Die Gründe hierfür sind im Moment nicht bekannt.
Um eine genaue Aussagen zu treffen muss auf alle Fälle der Eigenverbrauch des Servomotors abgezogen werden (ca 23 Watt bei 3000 1/min - Tendenz steigend). Wir sprechen bei dieser Korrektur von Nettoleistungsaufnahme des Schrittmotors. Außerdem betrachten wir das System nur bis 3000 Umdrehungen, denn dort wird die Stetigkeit verlassen und unsere Werte sind mit vorhergehend nicht mehr zu vergleichen.

Aber schauen wir uns erst die Kurvenschar der Leistungen ohne Korrekturen an.

Abbildung 5: Kurvenschar der Leistungen

Man kann an der gestrichelten roten Linie, welche die Leerlaufleistungsaufnahme des Gesamtsystems repräsentiert, leicht erkennen, dass diese die rote, grüne und hellblaue Leistungsaufnahmelinie bei unterschiedlichen Drehzahlen schneidet. Wobei Rot = 5 Ohm, Grün = 10 Ohm und Hellblau = 20 Ohm Widerstand als elektrische Last am Ausgang des Schrittmotors bedeutet. Jetzt kann man die Aussage: „Je mehr Strom aus dem System gezogen wird, desto weniger muss man mechanisch reinstecken“ gut nachvollziehen. Denn je niederohmiger der Lastwiderstand wird, desto niedriger wird die Drehzahl, bei der die Leistungsaufnahme unterhalb der Leerlaufleistungsaufnahme des Gesamtsystems sinkt. Außerdem erkennt man auch die Grenze des Ausgangswiderstandes, bei dem der Effekt nicht mehr auftritt. Hier bis Hellblau, also 20 Ohm. Man kann sogar eine anfängliche Steigerung der Leistungsaufnahme ab 20 Ohm Ausgangswiderstandes erkennen, der sich wieder drehzahlabhängig verändert.
Die optimale elektrische Ausgangsleistung erhalten wir ebenfalls bei 20 Ohm. Dies begründet sich mit einer Leistungsanpassung von Innenwiderstand der Stromquelle (Schrittmotor ca.6,3 Ohm DC-Widerstand pro Strang) zu Verbraucher (Lastwiderstand).
Aber um eine akkurate Aussage treffen zu können müssen wir natürlich die drehzahlabhänige Leistungsaufnahme des Servomotor abziehen (vergl. Abb.1 untere Kurve) und wir dürfen nicht die Leerlaufleistung des Systems betrachten, sondern die errechnete Nettoleistungsaufnahme (nur Schrittmotor, unabhängig wie er angetrieben wird). Der Übersichtlichkeit betrachten wir auch nur die Kennlinien von der 20 Ohm Messung. So ergibt sich folgendes Diagramm.

Abbildung 6: Kennlinien bei 20 Ohm Ausgangswiderstand

Eine Drehzahlübersteuerung des Systems hat ergeben, dass sich die elektrische Ausgangsleistung an die 20 Watt immer besser annähert, diese Grenze aber nicht überschreitet. Aus diesem Verhalten können wir schließen, dass ein Schrittmotor sich wie eine Stromquelle verhält und nicht wie eine Batterie die ja eine Spannungsquelle darstellt. Unser Schrittmotor in dem Versuch kann maximal einen Strom von 1 Ampere liefern, egal wie groß der Ausgangswiderstand ist.
Die Leistung um den Schrittmotor zu drehen scheint linear abzunehmen und irgendwann die Nulllinie zu schneiden. Bei dieser Betrachtung ist natürlich Vorsicht geboten, denn die Kurve könnte sich auch asymptotisch an die 0 Watt-Grenze annähern ohne sie zu schneiden oder in den nächsten Quadranten zu wechseln. Aber was letzten Endes der Realität entspricht kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Hier würde ein Antriebsmotor mit 15000 Umdrehungen pro Minute benötigt.
Versuchsweise wurde eine Extrapolation der Werte angestellt, welche keinerlei Anspruch auf Richtigkeit hat. Alleine der Lastknick bei 3500 Umdrehungen des Schrittmotors (siehe Abb.4) spricht schon dafür, das man die Kurve nur mit sehr großer Vorsicht so betrachten darf.

Abbildung 7: Extrapolation der Leistungswerte

Bei einer Drehzahl von 4500 Umdrehungen pro Minute würde der Schrittmotor genau soviel elektrische Energie erzeugen, wie er aufgrund seiner mechanischen Verluste benötigen würde. Wir hätten also einen Stromgenerator mit einem Wirkungsgrad von genau 100%. Aber jeder Generator will ja angetrieben werden. Wir bräuchten z. B. einen Antriebsmotor für das System, welche bei 7500 Umdrehungen pro Minute mit weniger als 10 Watt auskommen müsste. Der Servomotor, welcher unser System antreibt hat alleine bei 3000 Umdrehungen pro Minute schon eine Leistungsaufnahme von 23 Watt. Deshalb erscheint es sehr unrealistisch mit nur 10 Watt ein solches System bei 7500 Umdrehungen pro Minute betreiben zu können. Interessant wäre es schon den Verlauf der Kurve zu verifizieren. Hier kann noch experimentiert werden.

4. Auswertung:
Wir müssen auf Grund der Messreihen (siehe Anhang) davon ausgehen, dass ein Schrittmotor sich wie eine Stromquelle verhält. Er versucht bei unserem Aufbau den Strom von 1 Ampere zu erreichen. Je nach Widerstandslast passt sich die Spannung an um diesen Stromfluss zu gewährleisten.
Da Schrittmotorspulen eine nicht zu vernachlässigende Induktivität besitzen (6,3 Ohm DC Widerstand pro Strang) verändert sich der induktive Blindwiderstand natürlich auch mit der Drehzahl.

Es lässt sich eine Regelkreisstruktur aufzeichnen die folgendermaßen aussieht:

n = Drehzahl
ω = Kreisfrequenz
XL = Wechselstromwiderstand der Generatorspule
Pmech-in = Mechanische Kraft rein
Ikonst. = Strom raus (dieser Wert will im Idealfall immer 1 Ampere sein)
U = Spannung raus

↑n → ↑ω → ↑XL→ Pmech-in ↓ → Ikonst. → U↑


In Worten:
Wenn die Drehzahl n steigt, dann steigt die Kreisfrequenz, damit verbunden auch der induktive Widerstand der Generatorspulen. Somit lässt sich der Schrittmotor auch leichter drehen. Weil I konstant sein soll muss die Ausgangsspannung steigen um dem erhöhten Widerstand der Generatorspulen entgegen zu wirken.

Diese Regelstruktur zeigt uns eindeutig auf, dass es nie gelingen wird einen Schrittmotor dazu zu bringen, mehr elektrische Energie abzugeben als er zum Antrieb mechanisch benötigt. Selbst der vermutete „Anti-Lenz-Effekt“ stellt sich als ein normales Verhalten des Schrittmotors dar. Der Grund warum man sich leicht in die Irre führen lassen kann ist die Eigenschaft des Schrittmotors eine Stromquelle mit hohem Innenwiderstand zu sein und nicht wie jeder „normale“ Generator eine Spannungsquelle mit geringem Innenwiderstand.


Die Messungen fanden im Sommer 2008 im RaFöG-Labor statt.
Gez. Steffen Finger und Carl R. Jachulke

5. Anhang:
Messreihen unseres Versuches:

 

6. Quellen:

  1. Die Schüler haben an der Friedensschule in Münster für den Nachweis des Anti-Lenz-Effektes einen 2. Preis gewonnen, siehe http://www.kappenberg.com/hosted/jufo/ms1993/jufo_1993.htm (7. Kasteneintrag.)
  2. Auszug aus: http://freenet-homepage.de/nuetec/schrittmotor/schrittmotor.html
    „Schrittmotoren(Stepper), wie sie bei elektrischen Steuerungen eingesetzt werden, haben eine kaum erforschte Eigenschaft, wenn sie als Generator betrieben werden.
    Nach Stefan Marinov setzt ab einer gewissen Drehzahl dieses Generators ein beschleunigender Effekt ein. Das zeigt sich leicht, wenn ein beliebiger Antriebsmotor mit dem Schrittmotor auf einer gemeinsamen Achse befestigt wird. Die Energieaufnahme des beschleunigenden Motors wird gemessen. Zunächst nimmt die Energieaufnahme zu, wenn die Drehzahl erhöht wird. Das ist in Übereinstimmung mit der Lenz'schen Regel. Wenn eine gewisse Drehzahl erreicht ist, verringert sich die Aufnahme der elektrischen Energie.
    Wir haben das zusammen mit Mirco Pruß, Sebastian Homann und Jan Stolpe in den Jahren 1989 und 1990 überprüft. Wie stark die verringerte Energieaufnahme ist, hängt vom Typ des Schrittmotors ab.
    Bei unseren Versuchen betrug sie zwischen 20 und 50 %. Ist der Schwellenwert überschritten, ist die Verringerung drehzahlabhängig. Werden die Spulen des Schrittmotors durch elektrische Widerstände wie Lampen belastet oder kurzgeschlossen , verringert sich die aufgenommene elektrische Energie weiter, obwohl noch Energie für die angehängte Last aufgebracht werden muß.
    Es bleibt zu untersuchen, wie stark der Effekt gesteigert werden kann.“

  3. http://www.overunity-theory.de/bht/bht.htm
    „Fig.6d) Marinov's construction sceme of a stepper motor with big winding number showing "negative incremental efficiency" if used as an generator. Acc. to Marinov the effect is due to the phase shifting big coil.“

7. Download:
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